Therapie bei Asthma bronchiale: Wie Sie wieder frei durchatmen
Therapie bei Asthma bronchiale: Wie Sie wieder frei durchatmen
Medizinischer Ratgeber | Pneumologie & Atemwege | Lesezeit: ca. 6 Min.- ✓ Die Zwei-Säulen-Therapie: Die Behandlung besteht aus schnell wirkenden Bedarfsmedikamenten (bei akuter Atemnot) und entzündungshemmenden Dauermedikamenten.
- ✓ Das Stufenschema: Die Therapie wird vom Arzt in Stufen an die aktuelle Schwere der Symptome angepasst. Ziel ist immer die geringstmögliche Medikamentendosis.
- ✓ Technik ist alles: Asthmasprays wirken nur dann richtig, wenn die Inhalationstechnik fehlerfrei sitzt.
- ✓ Nicht-medikamentöse Hilfe: Rauchverzicht, Ausdauersport und Atemübungen sind essenziell, um das Asthma langfristig zu kontrollieren.
Ein plötzliches Engegefühl in der Brust, pfeifende Atemgeräusche und quälender Husten – Asthma bronchiale kann den Alltag stark einschränken. Die gute Nachricht aus der Medizin lautet jedoch: Mit einer modernen und gut eingestellten Therapie lässt sich Asthma heute hervorragend kontrollieren. Die meisten Patienten können ein völlig normales, aktives Leben führen. Als Ihre Apotheke geben wir Ihnen einen fundierten Überblick über die Bausteine einer erfolgreichen Asthma-Therapie.
Die medikamentöse Therapie: Inhalieren statt Schlucken
In der Asthmatherapie werden bevorzugt Medikamente eingesetzt, die eingeatmet (inhaliert) werden. Der große physiologische Vorteil: Der Wirkstoff gelangt als feiner Nebel oder Pulver direkt in die Lunge an den Ort des Geschehens. Dadurch benötigt man eine viel geringere Dosierung als bei Tabletten, was das Risiko für Nebenwirkungen im restlichen Körper massiv senkt.
Grundsätzlich teilt sich die medikamentöse Behandlung in zwei Hauptgruppen auf:
| Bedarfs-Medikamente (Reliever) | Dauer-Medikamente (Controller) |
|---|---|
| Die schnelle Notfall-Hilfe Wie der Name sagt, werden sie nur bei akutem Bedarf angewendet, um plötzliche Luftnot rasch zu lindern. | Der langfristige Schutzschild Werden regelmäßig (meist täglich) angewendet, völlig unabhängig davon, ob man gerade Beschwerden hat oder nicht. |
| Wirkweise: Sie entspannen die verkrampfte Bronchialmuskulatur innerhalb von Minuten. Die Atemwege weiten sich sofort. | Wirkweise: Sie bekämpfen die Ursache: die ständige Entzündungsbereitschaft der Atemwege. |
| Typische Wirkstoffe: Kurzwirksame Beta-Sympathomimetika (SABA, z. B. Salbutamol). | Typische Wirkstoffe: Inhalatives Kortison (ICS) bildet die Basis. Bei Bedarf kombiniert mit langwirksamen Bronchienerweiterern (LABA/LAMA). |
Das ärztliche Stufen-Schema
Asthma verläuft nicht immer gleichförmig. Deshalb richtet sich die Therapie nach einem strengen, ärztlichen Stufenplan. Das Ziel dieses Plans ist es, die bestmögliche Asthmakontrolle mit der geringstmöglichen Menge an Medikamenten zu erreichen.
- Der Aufstieg: Treten trotz Behandlung zu häufig Beschwerden auf, wird überprüft, ob Inhalationsfehler vorliegen. Ist dies ausgeschlossen, wechselt der Arzt auf die nächsthöhere Stufe (z. B. durch Erhöhung der Kortisondosis oder Hinzunahme eines weiteren Wirkstoffs).
- Der Abstieg (Ausschleichen): Sind Sie über mindestens drei Monate hinweg komplett beschwerdefrei, kann vorsichtig auf eine niedrigere Stufe gewechselt werden. Wichtig: Setzen Sie ein kortisonhaltiges Dauermedikament niemals abrupt auf eigene Faust ab! Es muss ärztlich begleitet "ausgeschlichen" werden, um schwere Rückfälle zu vermeiden.
Selbst das beste Medikament ist wirkungslos, wenn es nicht in der Lunge ankommt. Dosieraerosole ("Sprays") und Pulverinhalatoren erfordern völlig unterschiedliche Atemtechniken. Wenn Sie einen trockenen Mund nach der Inhalation haben, ist oft viel Wirkstoff im Rachen statt in der Lunge gelandet.
Tipp zur Vermeidung von Heiserkeit: Spülen Sie nach der Inhalation von kortisonhaltigen Sprays stets den Mund gründlich mit Wasser aus oder essen Sie eine Kleinigkeit, um das Risiko einer Pilzinfektion (Mundsoor) zu minimieren.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Ihr eigener Beitrag
Medikamente sind nur eine Säule der Therapie. Um langfristig symptomfrei zu bleiben, können und sollten Sie selbst aktiv werden:
- Körperliches Training & Sport: Asthma und Sport schließen sich nicht aus – im Gegenteil! Regelmäßiges, an den Trainingsstand angepasstes Ausdauertraining stärkt die Lungenfunktion. Wichtig ist ein langsames Aufwärmen. Kommt es dennoch zum "Anstrengungs-Asthma", ist die Basistherapie oft noch nicht optimal eingestellt.
- Der sofortige Rauchstopp: Tabakrauch ist extremes Gift für Asthmatiker. Er unterhält die Entzündung in den Atemwegen, neutralisiert die Wirkung von Kortisonsprays und macht Patienten extrem anfällig für weitere Infekte. Auch Passivrauchen muss strikt gemieden werden!
- Gewichtskontrolle: Starkes Übergewicht (Adipositas) erschwert die Atemmechanik massiv und fördert entzündliche Prozesse im Körper.
- Atemübungen: Bestimmte Techniken (wie die "Lippenbremse") helfen, während einer Atemnot-Attacke Panik zu vermeiden und die Bronchien durch leichten Gegendruck beim Ausatmen offenzuhalten.
Ein Wort zur Alternativmedizin
Methoden wie Homöopathie, Hypnose oder Akupunktur haben in der evidenzbasierten Asthmatherapie keinen Platz und dürfen notwendige Medikamente keinesfalls ersetzen.
Es gibt jedoch einen sinnvollen komplementären Ansatz: Vitamin D. Bei Patienten mit unkontrolliertem Asthma und nachgewiesenem Vitamin-D-Mangel kann die Substitution mit Vitamin D helfen, das Immunsystem zu stützen und Entzündungen zu regulieren.
Asthmasprays können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten (z. B. bestimmten Blutdrucksenkern wie Beta-Blockern) haben. Nutzen Sie unsere kostenlose Wechselwirkungsprüfung bei der Rezept-Einreichung über unsere App, um sicherzugehen, dass Ihre Medikamente perfekt harmonieren.
- Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Asthma (AWMF).
- Deutsche Atemwegsliga e.V. (Informationen zu Inhalationstechniken).