Neues Medikament Daraxonrasib könnte Überlebenszeit verdoppeln
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Bauchspeicheldrüsenkrebs: Neues Medikament Daraxonrasib könnte Überlebenszeit verdoppeln – das zeigt eine Studie
Bauchspeicheldrüsenkrebs gilt als besonders aggressiv, die Heilungschancen sind oft gering. Eine neue Studie macht nun Hoffnung: Das bislang noch nicht zugelassene Medikament Daraxonrasib konnte in einer großen Untersuchung die Überlebenszeit fast verdoppeln. Was hinter dem Wirkstoff steckt und was er für Betroffene bedeuten könnte – verständlich erklärt.
Lesezeit etwa 9 Minuten · Pharmazeutisch geprüfter Beitrag · Aktualisiert Juni 2026
Auf einen Blick
Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den gefährlichsten Krebsarten, weil er meist spät erkannt wird und schwer zu behandeln ist. In einer großen Phase-3-Studie mit 500 Patientinnen und Patienten verlängerte das neue Medikament Daraxonrasib die mittlere Überlebenszeit von rund 6,7 auf 13,2 Monate – also nahezu auf das Doppelte. Das Risiko zu versterben sank um etwa 60 Prozent. Der Wirkstoff wird als Tablette eingenommen und greift gezielt das Eiweiß KRAS an, das die meisten dieser Tumoren antreibt und lange als „nicht behandelbar" galt. Wichtig: Daraxonrasib ist noch nicht zugelassen und steht damit aktuell noch nicht als reguläre Therapie zur Verfügung.
Warum Bauchspeicheldrüsenkrebs so gefürchtet ist
Kaum eine Diagnose löst so viel Sorge aus wie Bauchspeicheldrüsenkrebs, in der Fachsprache Pankreaskarzinom genannt. Der Grund liegt in zwei Eigenschaften dieser Erkrankung. Zum einen verursacht der Tumor im frühen Stadium kaum Beschwerden, sodass er häufig erst spät entdeckt wird – oft erst, wenn er bereits gestreut hat. Zum anderen gibt es bislang keine zuverlässige Früherkennungsuntersuchung, mit der sich der Krebs rechtzeitig aufspüren ließe.
Die Zahlen verdeutlichen den Ernst der Lage. In Deutschland erkrankten im Jahr 2023 etwa 20.000 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Fünf Jahre nach der Diagnose lebt im Schnitt nur noch etwa jeder elfte Betroffene. Bei Patientinnen und Patienten, deren Krebs bereits gestreut hat, ist die Prognose noch ungünstiger. Genau deshalb ist jeder Fortschritt in der Behandlung von so großer Bedeutung.
Das Problem KRAS: ein lange „nicht behandelbares" Ziel
Um zu verstehen, warum das neue Medikament als Durchbruch gilt, lohnt ein Blick auf den Motor dieser Krebsart. In über 90 Prozent aller Bauchspeicheldrüsentumoren ist ein bestimmtes Eiweiß verändert: KRAS. Man kann sich KRAS wie einen Schalter vorstellen, der den Zellen das Signal zum Wachsen und Teilen gibt. Ist dieser Schalter durch eine Mutation dauerhaft auf „an" gestellt, wuchern die Krebszellen ungebremst weiter.
Über Jahrzehnte galt KRAS in der Forschung als „nicht behandelbar". Das Eiweiß hat eine glatte Oberfläche, an der herkömmliche Medikamente kaum andocken können – es gab schlicht keinen guten Angriffspunkt. Viele Fachleute hielten es lange für unmöglich, KRAS gezielt auszuschalten. Genau hier setzt Daraxonrasib an und schlägt einen neuen Weg ein.
Wie wirkt Daraxonrasib?
Daraxonrasib ist eine Tablette, die einmal täglich eingenommen wird. Der Wirkstoff verfolgt einen cleveren Umweg: Statt zu versuchen, direkt am glatten KRAS-Eiweiß anzudocken, nutzt er ein Hilfsmolekül in der Zelle namens Cyclophilin A. Gemeinsam mit diesem Molekül bildet der Wirkstoff einen Komplex, der sich an das aktive KRAS heftet und dessen Wachstumssignal blockiert. Vereinfacht gesagt: Daraxonrasib legt den dauerhaft eingeschalteten Schalter lahm und bremst so das Tumorwachstum.
Ein weiterer Vorteil: Der Wirkstoff wirkt nicht nur gegen eine einzelne KRAS-Variante, sondern gegen mehrere Formen des veränderten Eiweißes. Das macht ihn für einen großen Teil der Betroffenen interessant – und potenziell auch für andere Krebsarten, bei denen KRAS eine Rolle spielt.
Was lange als unmöglich galt, rückt näher: ein Medikament, das den wichtigsten Antreiber von Bauchspeicheldrüsenkrebs gezielt ausbremst.
Was die Studie zeigt
Die Ergebnisse stammen aus einer großen, hochwertigen Untersuchung – einer sogenannten Phase-3-Studie mit dem Namen RASolute 302. Sie wurde Ende Mai 2026 im renommierten Fachjournal New England Journal of Medicine veröffentlicht. An der Studie nahmen 500 Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem, bereits gestreutem Bauchspeicheldrüsenkrebs teil, bei denen eine vorherige Chemotherapie nicht mehr ausreichend gewirkt hatte.
Die Hälfte der Teilnehmenden erhielt Daraxonrasib, die andere Hälfte eine herkömmliche Chemotherapie. Anschließend wurde verglichen, wie lange die beiden Gruppen lebten und wie lange der Krebs nicht weiter fortschritt. Die Unterschiede waren deutlich.
Daraxonrasib im Vergleich zur Chemotherapie
| Kennzahl | Daraxonrasib | Chemotherapie |
|---|---|---|
| Mittlere Überlebenszeit | 13,2 Monate | 6,7 Monate |
| Zeit ohne Fortschreiten des Krebses | 7,2 Monate | 3,6 Monate |
| Verringerung des Sterberisikos | um rund 60 % | — |
| Einnahme | Tablette, einmal täglich | meist als Infusion |
Die mittlere Überlebenszeit stieg also von etwa 6,7 auf 13,2 Monate – das ist nahezu eine Verdopplung. Für eine Krebsart, bei der seit Jahren kaum Fortschritte erzielt wurden, ist das ein bemerkenswertes Ergebnis. Hinzu kommt, dass schwere Nebenwirkungen unter Daraxonrasib nicht häufiger auftraten als unter der Chemotherapie – in der Studie waren sie sogar etwas seltener.
Welche Nebenwirkungen hat das Medikament?
Kein wirksames Medikament ist frei von Nebenwirkungen. Die mit Abstand häufigste unter Daraxonrasib war ein deutlicher Hautausschlag, der bei einem Großteil der Behandelten auftrat. Insgesamt galt die Verträglichkeit jedoch als beherrschbar und vergleichbar mit der einer Chemotherapie. Wie ein Medikament im Einzelfall vertragen wird, lässt sich allerdings nie pauschal sagen und muss immer ärztlich begleitet werden.
Was bedeutet das für Betroffene?
So ermutigend die Ergebnisse sind – es ist wichtig, sie richtig einzuordnen. Daraxonrasib ist noch nicht zugelassen. Das bedeutet, dass das Medikament aktuell noch nicht regulär verordnet werden kann, sondern zunächst die behördliche Prüfung durchlaufen muss. Wann und ob es in Deutschland verfügbar sein wird, ist derzeit offen.
Ebenso wichtig: Eine verlängerte Überlebenszeit ist nicht dasselbe wie eine Heilung. Die Studie wurde bei Menschen mit fortgeschrittener Erkrankung durchgeführt, bei denen eine erste Behandlung nicht mehr genügend gewirkt hatte. Für diese Gruppe bedeuten zusätzliche Lebensmonate dennoch sehr viel – und der Ansatz, das lange als unangreifbar geltende KRAS gezielt auszuschalten, weckt berechtigte Hoffnung für die zukünftige Krebsbehandlung, auch über den Bauchspeicheldrüsenkrebs hinaus.
Wer selbst oder als Angehöriger betroffen ist, sollte Fragen zu neuen Therapien und möglichen Studienteilnahmen immer mit dem behandelnden Onkologen besprechen. Spezialisierte Krebszentren sind hier die richtige Anlaufstelle.
Häufige Fragen
Ist Daraxonrasib schon erhältlich?
Nein. Das Medikament ist bislang nicht zugelassen und muss erst die behördliche Prüfung durchlaufen. Ein Termin für eine mögliche Zulassung in Deutschland steht derzeit nicht fest.
Heilt das Medikament Bauchspeicheldrüsenkrebs?
Nein. In der Studie verlängerte Daraxonrasib die Überlebenszeit deutlich, eine Heilung war jedoch nicht das Ergebnis. Für Menschen mit fortgeschrittener Erkrankung können zusätzliche Lebensmonate aber sehr wertvoll sein.
Was ist das Besondere an dem Wirkstoff?
Er greift das Eiweiß KRAS an, das die meisten Bauchspeicheldrüsentumoren antreibt und lange als „nicht behandelbar" galt. Daraxonrasib blockiert dessen Wachstumssignal über einen neuartigen Mechanismus und wird einfach als Tablette eingenommen.
Könnte das Medikament auch bei anderen Krebsarten helfen?
Möglicherweise. Da KRAS auch bei anderen Tumorarten eine Rolle spielt, wird der Wirkstoff in weiteren Studien untersucht. Belastbare Ergebnisse dazu müssen aber erst abgewartet werden.
Wo Betroffene verlässliche Informationen finden
Eine Krebsdiagnose wirft viele Fragen auf. Verlässliche, geprüfte Informationen und persönliche Begleitung sind dann besonders wichtig. Erste Anlaufstellen für individuelle medizinische Fragen sind die behandelnden Ärztinnen und Ärzte sowie spezialisierte Krebszentren. Unabhängige, kostenfreie Auskünfte bieten zudem der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums sowie die Deutsche Krebshilfe.
Auch wir als Apotheke sind seit 1979 für Sie da, wenn Sie allgemeine Fragen zu Arzneimitteln oder zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Sprechen Sie uns gern an – persönlich oder online, telefonisch und per E-Mail.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Das beschriebene Medikament Daraxonrasib ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht zugelassen. Treffen Sie keine Entscheidungen über Ihre Behandlung auf Basis dieses Artikels. Bei Fragen zu Diagnose und Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs wenden Sie sich an Ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte oder an ein spezialisiertes Krebszentrum. Dies ist ein sensibles Thema – wenn Sie betroffen sind und Unterstützung suchen, helfen wir Ihnen gern, passende Anlaufstellen zu finden.
Quellen (Auswahl): Wolpin B, Park W, Garrido-Laguna I et al., RASolute 302 / Daraxonrasib, New England Journal of Medicine (Mai 2026); Robert Koch-Institut, Zentrum für Krebsregisterdaten (Pankreaskarzinom); Science Media Center Germany; Pancreatic Cancer Action Network. Die Studie wurde vom Hersteller Revolution Medicines finanziert.