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Fieber: Ab wann wird die erhöhte Temperatur wirklich gefährlich?

Fieber: Ab wann wird die erhöhte Temperatur wirklich gefährlich?

Medizinischer Ratgeber | Allgemeinmedizin | Stand: April 2026
Das Wichtigste auf einen Blick
  • Ab wann Fieber? Von Fieber spricht man bei Erwachsenen ab 38,1 °C. Werte zwischen 37,5 °C und 38,0 °C gelten als erhöhte Temperatur.
  • Bei Babys: Aufgrund der noch unreifen Temperaturregelung gelten bei Säuglingen bereits 38,0 °C als Fieber.
  • Wo messen? Die genauesten Ergebnisse liefert die rektale Messung (im Po) oder ein hochwertiges Infrarot-Ohrthermometer.
  • Wann zum Arzt? Wenn mäßiges Fieber länger als 3 Tage oder hohes Fieber (> 39,0 °C) länger als 24 Stunden anhält.

Der Kopf ist heiß, der Körper friert und die Glieder schmerzen. Fast jeder Mensch entwickelt im Laufe einer Infektion Fieber. Oft löst der Blick auf das Thermometer Sorge aus. Doch was wir oft als feindliche Krankheit wahrnehmen, ist in Wahrheit der beste Bodyguard unseres Körpers. Wir klären auf, ab wann die Temperatur kritisch wird und wie Sie richtig handeln.

Warum bekommen wir eigentlich Fieber?

Fieber ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein elementarer Abwehrmechanismus unseres Immunsystems. Gesteuert wird dieser Prozess durch den Hypothalamus – das Wärmeregulationszentrum in unserem Gehirn.

Dringen Viren oder Bakterien in den Körper ein, schlägt das Immunsystem Alarm. Das Gehirn dreht die innere "Heizung" ganz bewusst nach oben. Der Grund: Die meisten Krankheitserreger sind extrem hitzeempfindlich. Steigt die Körpertemperatur, wird ihre Vermehrung drastisch ausgebremst. Gleichzeitig laufen unsere eigenen immunologischen Stoffwechselprozesse bei Hitze deutlich schneller ab.

Warum haben wir bei Fieber Schüttelfrost?
Das Gehirn gibt den Muskeln den Befehl, Wärme zu erzeugen, um die Zieltemperatur (das Fieber) schnell zu erreichen. Die Muskeln beginnen zu kontrahieren – wir zittern. Gleichzeitig verengen sich die Blutgefäße in Armen und Beinen, damit keine Wärme an die Umgebung verloren geht. Deshalb frieren wir massiv, obwohl wir "glühen".

Die Fieber-Tabelle: Ab wann spricht man von Fieber?

Nicht jede Erhöhung ist sofort Fieber. In der Medizin wird die Körperkerntemperatur in klare Phasen eingeteilt:

Temperatur Medizinische Einordnung Handlungsempfehlung
36,5 – 37,4 °C Normaltemperatur Alles in Ordnung.
37,5 – 38,0 °C Subfebrile (erhöhte) Temperatur Der Körper arbeitet. Körperliche Schonung ist wichtig.
38,1 – 39,0 °C Leichtes bis mäßiges Fieber Regelmäßig messen, viel trinken und strenge Bettruhe einhalten.
Ab 39,1 °C Hohes Fieber Bei Anhalten über 24 Stunden unbedingt ärztlich abklären lassen!
Wichtig für Eltern von Babys und Kleinkindern!
Die Temperaturregulation ist bei Säuglingen noch nicht vollständig entwickelt. Daher gelten in dieser Altersgruppe bereits Werte ab 38,0 °C als Fieber. Bei Neugeborenen unter 3 Monaten sollte bei jeder Temperaturerhöhung sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Wie misst man Fieber richtig?

Die Genauigkeit der Messung hängt maßgeblich vom Ort ab. Die klassische Messung unter der Achselhöhle (axillar) gilt heutzutage als zu ungenau, da sie nur die Hautoberflächentemperatur erfasst, die oft 0,5 bis 1 Grad unter der echten Temperatur liegt.

  • Der Goldstandard (rektal): Die Messung im Po liefert die verlässlichsten Werte der Körperkerntemperatur. Besonders bei Kindern ist dies die sicherste Methode.
  • Die Alternative (Ohr/Stirn): Infrarot-Ohrthermometer sind schnell und angenehm, erfordern jedoch die exakte Einhaltung der Anleitung (den Gehörgang leicht langziehen), da Ohrenschmalz das Ergebnis verfälschen kann.

Fieber senken: Hausmittel und Medikamente

Da Fieber ein sinnvoller Heilungsprozess ist, lautet die moderne medizinische Regel: Nicht jedes Fieber muss sofort gesenkt werden! Solange der Kreislauf stabil ist und der Patient nicht extrem leidet, darf das Fieber "arbeiten".

1. Wadenwickel & Flüssigkeit

Bei jedem Grad über 37 °C steigt der Flüssigkeitsbedarf des Körpers um einen halben bis ganzen Liter. Trinken (Wasser, ungesüßte Tees) ist oberste Pflicht. Wenn Hände und Füße des Patienten warm sind (!), können lauwarme Wadenwickel helfen, überschüssige Hitze sanft abzuleiten.

2. Fiebersenkende Medikamente (Antipyretika)

Wenn das Fieber quält, Gliederschmerzen hinzukommen oder die Temperatur über 39 °C klettert, können bewährte Wirkstoffe aus der Apotheke helfen:

  • Ibuprofen: Wirkt fiebersenkend, schmerzlindernd und zusätzlich stark entzündungshemmend (z.B. bei geschwollenem Hals).
  • Paracetamol: Wirkt fiebersenkend und schmerzlindernd, ist besonders magenschonend.

Warnhinweis: Geben Sie Kindern unter 12 Jahren bei Virusinfekten niemals Acetylsalicylsäure (ASS / Aspirin)! Dies kann ein seltenes, aber lebensgefährliches Leber-Hirn-Syndrom (Reye-Syndrom) auslösen.

Haben Sie Fragen zur richtigen Dosierung von Fiebermitteln für sich oder Ihre Familie? Unser pharmazeutisches Team berät Sie jederzeit gerne!

Wissenschaftliche Quellen & Leitlinien:
  • Robert Koch-Institut (RKI): Ratgeber zu Infektionskrankheiten und Fieberdiagnostik.
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ): Informationen und Leitlinien zu Fieber im Kindesalter.
  • Mutschler, E. et al. (2020). Arzneimittelwirkungen. Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie.

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