Zopiclon
Kurzzeit-Schlafmittel bei schweren Schlafstörungen
Zopiclon gehört zu den Z-Substanzen und wird zur kurzzeitigen Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt. Das Medikament verkürzt die Einschlafzeit und reduziert nächtliches Erwachen für einen erholsameren Schlaf.
⚠️ Wichtig: Zopiclon kann abhängig machen. Maximale Anwendungsdauer: 4 Wochen einschließlich Ausschleichen.
Schnelle Wirkung
Wirkt innerhalb von 30-60 Minuten nach der Einnahme
7,5mg Standard
Übliche Dosis für Erwachsene, bei Älteren oft 3,75mg
Z-Substanz
Moderne Alternative zu Benzodiazepinen
Zopiclon ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Diese Information ersetzt keine ärztliche Beratung. Bitte lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker nach Risiken und Nebenwirkungen.
Zopiclon: Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Medizinisch geprüft
Nach aktuellen schlafmedizinischen Leitlinien
Stand: September 2025
Wirkstoffgruppe und Mechanismus:
- Gehört zu den Cyclopyrrolonen (Z-Substanzen)
- Wirkt am GABA-A-Rezeptor im Gehirn
- Verstärkt die beruhigende GABA-Wirkung
- Chemisch anders als Benzodiazepine
Anwendungsgebiete:
- Ein- und Durchschlafstörungen: Bei schweren Fällen
- Kurzzeittherapie: Maximal 2-4 Wochen
- Situative Schlafstörungen: Stress, Schichtarbeit
- Präoperative Medikation: Zur Beruhigung
Verfügbare Präparate in Deutschland:
- Zopiclon-ratiopharm
- Zopiclon AL
- Zopiclon HEXAL
- Zopiclon-neuraxpharm
- Generika verschiedener Hersteller
Zopiclon kann bereits nach wenigen Wochen zu körperlicher und psychischer Abhängigkeit führen. Strenge Indikationsstellung erforderlich!
Pharmakokinetik im Detail:
- Wirkungseintritt: 30-60 Minuten
- Maximale Plasmaspiegel: Nach 1,5-2 Stunden
- Halbwertszeit: 5-6 Stunden (bei Älteren länger)
- Wirkdauer: 7-8 Stunden
- Vollständige Elimination: Nach 24-48 Stunden
Faktoren die die Wirkung beeinflussen:
- Nüchterne Einnahme: Schnellerer Wirkungseintritt
- Fettreiche Mahlzeit: Verzögerte Aufnahme
- Alter: Bei über 65-Jährigen längere Wirkung
- Leberfunktion: Verlängerte Halbwertszeit bei Störungen
Optimale Einnahme:
- Direkt vor dem Schlafengehen
- Mindestens 7-8 Stunden Schlafzeit einplanen
- Nicht während der Nacht nachdosieren
- Mit Wasser, nicht mit Alkohol
💊 Dosierungsschema nach Patientengruppe:
Erwachsene (18-65 Jahre):
- Standarddosis: 7,5 mg
- Bei Bedarf: Beginn mit 3,75 mg möglich
- Maximaldosis: 7,5 mg/Tag
Ältere Patienten (>65 Jahre):
- Anfangsdosis: 3,75 mg
- Nur bei Bedarf auf 7,5 mg erhöhen
- Vorsicht: Erhöhte Sturzgefahr
Leberfunktionsstörung:
- Leicht: 3,75 mg
- Mittel: 3,75 mg mit Vorsicht
- Schwer: Kontraindiziert
Behandlungsdauer:
- Maximal 4 Wochen inkl. Ausschleichphase
- Möglichst kurz: 2-5 Tage bei akuter Insomnie
- 2-3 Wochen bei chronischen Störungen
- Intermittierende Therapie bevorzugen
Ausschleichen wichtig:
- Woche 1-2: Volle Dosis
- Woche 3: Dosis halbieren
- Woche 4: Jeden 2. Tag
- Dann absetzen
| Eigenschaft | Zopiclon | Zolpidem |
|---|---|---|
| Halbwertszeit | 5-6 Stunden | 2-3 Stunden |
| Beste Wirkung bei | Ein- und Durchschlafstörungen | Einschlafstörungen |
| Standarddosis | 7,5 mg | 10 mg |
| Metallgeschmack | Häufig (30%) | Sehr selten |
| Hangover-Effekt | Möglich | Seltener |
| Verfügbarkeit DE | Gut (viele Generika) | Eingeschränkt |
Wann welches Mittel?
- Zopiclon bevorzugen bei:
- Durchschlafstörungen
- Frühmorgendlichem Erwachen
- Wenn 7-8 Std. Schlafzeit möglich
- Zolpidem bevorzugen bei:
- Reinen Einschlafstörungen
- Kurzer Schlafzeit (<7 Std.)
- Vermeidung von Hangover
Sehr häufig (>10%):
- Geschmacksstörungen: Bitterer/metallischer Geschmack
Häufig (1-10%):
- Mundtrockenheit
- Tagesmüdigkeit/Hangover
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Magen-Darm-Beschwerden
Gelegentlich (0,1-1%):
- Gedächtnisstörungen (anterograde Amnesie)
- Halluzinationen (besonders bei Älteren)
- Verwirrtheit
- Reizbarkeit
- Libidoveränderungen
- Hautausschlag
Selten aber ernst:
- Abhängigkeit (bei Langzeitgebrauch)
- Schlafwandeln
- Nächtliches Essen ohne Erinnerung
- Fahren im Schlaf
- Atemdepression (bei Überdosis)
Tipps gegen Metallgeschmack:
- Zuckerfreie Bonbons lutschen
- Zähne putzen nach Einnahme
- Pfefferminztee trinken
- Mit Arzt über Alternative sprechen
Alkohol + Zopiclon kann zu Atemstillstand und Tod führen! Bereits kleine Mengen Alkohol sind gefährlich.
Gefährliche Wechselwirkungen:
- Verstärkte Sedierung bis Koma
- Atemdepression/Atemstillstand
- Massiver Blutdruckabfall
- Totale anterograde Amnesie (Blackout)
- Paradoxe Reaktionen (Aggression)
- Erhöhte Unfallgefahr
Zeitabstände beachten:
- Nach Alkoholkonsum: Mindestens 12 Std. warten
- Nach Zopiclon: 24 Std. kein Alkohol
- Bei regelmäßigem Gebrauch: Kompletter Verzicht
Auch kleine Mengen vermeiden:
- Kein "Gläschen Wein" zum Essen
- Keine alkoholhaltigen Medikamente
- Vorsicht bei Pralinen mit Alkohol
- Mundspülungen ohne Alkohol verwenden
Zeitlicher Verlauf der Abhängigkeitsentwicklung:
- 1-2 Wochen: Gewöhnung, nachlassende Wirkung
- 2-4 Wochen: Toleranzentwicklung, Dosissteigerung nötig
- 4-8 Wochen: Körperliche Abhängigkeit etabliert
- >8 Wochen: Starke Abhängigkeit, schwerer Entzug
Warnsignale einer Abhängigkeit:
- Wirkung lässt nach (Toleranz)
- Dosis muss erhöht werden
- Angst vor dem Absetzen
- Schlaflosigkeit ohne Medikament
- Tageszeitliche Einnahme
- Beschaffung über mehrere Ärzte
Entzugssymptome beim Absetzen:
- Rebound-Insomnie (verstärkte Schlaflosigkeit)
- Angst und innere Unruhe
- Zittern, Schwitzen
- Muskelschmerzen
- Krampfanfälle (bei abruptem Absetzen)
Prävention:
- Strikt auf 4 Wochen begrenzen
- Niedrigste wirksame Dosis
- Einnahmepausen einlegen
- Alternative Schlafhilfen nutzen
- Langsam ausschleichen
Beeinträchtigungen der Fahrtüchtigkeit:
- Verlängerte Reaktionszeit
- Eingeschränkte Aufmerksamkeit
- Schläfrigkeit/Sekundenschlaf
- Schwindel und Benommenheit
- Doppelbilder/verschwommenes Sehen
- Beeinträchtigte Koordination
Zeitliche Einschränkungen:
- Nach Einnahme: Absolutes Fahrverbot
- Nächster Morgen: Frühestens nach 8-10 Std.
- Bei Hangover: Weiter warten
- Erste Einnahmen: 24 Std. Pause
Rechtliche Konsequenzen:
- Fahren unter Medikamenteneinfluss = Straftat
- Führerscheinentzug möglich
- Geldstrafe oder Freiheitsstrafe
- Bei Unfall: Versicherung zahlt nicht
- MPU kann angeordnet werden
Empfehlungen:
- Öffentliche Verkehrsmittel nutzen
- Fahrdienste organisieren
- Mit Arzt über Alternativen sprechen
- Medikamentenpass mitführen
Ausschleichschema bei 4-wöchiger Einnahme:
- Woche 1: Dosis um 25% reduzieren (7,5mg → 5,6mg)
- Woche 2: Dosis um weitere 25% reduzieren (→ 3,75mg)
- Woche 3: Jeden 2. Tag einnehmen
- Woche 4: Jeden 3. Tag, dann stoppen
Bei längerer Einnahme (>4 Wochen):
- Sehr langsame Reduktion über Wochen/Monate
- 10% Dosisreduktion alle 1-2 Wochen
- Ärztliche Begleitung essentiell
- Evtl. Umstellung auf Diazepam
Unterstützende Maßnahmen:
- Schlafhygiene: Feste Schlafzeiten, dunkles Zimmer
- Entspannungstechniken: Progressive Muskelrelaxation
- Bewegung: Sport am Tag, nicht abends
- Ernährung: Kein Koffein nach 14 Uhr
- Alternative Mittel: Baldrian, Passionsblume
Bei Entzugssymptomen:
- Nicht in Panik geraten - vorübergehend
- Reduktion verlangsamen
- Arzt kontaktieren
- Keine Selbstmedikation
Risiken nach Trimester:
- 1. Trimester: Erhöhtes Fehlbildungsrisiko (Lippen-Kiefer-Gaumenspalte)
- 2. Trimester: Wachstumsverzögerung möglich
- 3. Trimester: Atemdepression und Entzug beim Neugeborenen
Auswirkungen auf das Baby:
- "Floppy-Infant-Syndrom" (schlaffe Muskulatur)
- Atemprobleme nach Geburt
- Trinkschwäche
- Entzugssymptome (Zittern, Unruhe)
- Niedriges Geburtsgewicht
Stillzeit:
- Zopiclon geht in Muttermilch über
- Baby wird sediert
- Abstillen oder Medikament absetzen
- Pumpen und Verwerfen keine Option
Alternativen in der Schwangerschaft:
- Schlafhygiene-Maßnahmen
- Entspannungstechniken
- Psychotherapie bei Schlafstörungen
- Akupunktur
- Bei absoluter Notwendigkeit: Diphenhydramin
Verschreibungspflichtige Alternativen:
- Zolpidem: Kürzere HWZ, weniger Hangover
- Zaleplon: Sehr kurze HWZ (1 Std.)
- Mirtazapin: Antidepressivum mit Schlafwirkung
- Trazodon: Off-Label bei Schlafstörungen
- Melatonin: Bei Älteren und Jetlag
Rezeptfreie Alternativen:
- Doxylamin: Antihistaminikum (Hoggar Night)
- Diphenhydramin: Antihistaminikum
- Baldrian: 450-900mg Extrakt
- Passionsblume: Beruhigend
- L-Tryptophan: Vorstufe von Serotonin
Nicht-medikamentöse Therapie (erste Wahl!):
- Kognitive Verhaltenstherapie: Goldstandard
- Schlafrestriktion: Bettzeit begrenzen
- Stimuluskontrolle: Bett nur zum Schlafen
- Entspannungsverfahren: PMR, Autogenes Training
- Schlafhygiene: Regelmäßige Zeiten
Wann welche Alternative?
- Depression + Insomnie: Mirtazapin
- Kurze Einschlafstörung: Zolpidem
- Ältere Patienten: Melatonin
- Leichte Störungen: Pflanzliche Mittel